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Trump und Fake News

 „Fake News“ – das dumpfe Vermächtnis Donald Trumps  (Jänner 2021)

Die Presse war dem Präsidenten gegenüber wirklich nicht zimperlich: er sei ein Lügner, Übertreiber, Monster, Tyrann, Schwindler, Schuft, schmutzige Geschichten-Erzähler, Idiot und noch vieles mehr. Der das über sich ergehen musste, war freilich nicht der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, sondern der 16.: Abraham Lincoln, jener US-Präsident, dessen Statuen und Abbilder jetzt die meisten Amtsgebäude der USA schmücken.

Die vierte Macht im Staate war sich – mit Ausnahmen – schon immer ihrer wichtigen Aufgabe bewusst. Die bestand darin, ein besonders strenges Auge auf die Politik zu werfen, und die Bürger über das, was in den Zentren der Macht geschieht, genau zu informieren. Gerade in diesen Tagen tut sie wieder das mit großer Bestimmtheit: jeden Tag werden neue Artikel, Bilder und Videos veröffentlicht, die zeigen, was Donald Trumps Anhänger bei ihrem Sturm auf das Capitol anrichteten. Sachschäden, und mehr: Schäden an der Demokratie.

Doch immer wieder schlossen die Medien auch stillschweigend Übereinkünfte mit den jeweils Regierenden im Weissen Haus: Franklin D. Roosevelt litt an einer Art Kinderlähmung, doch die Presse vermied es, ihn im Rollstuhl herzuzeigen. John F. Kennedys Schwäche für das weibliche Geschlecht war damals fast allen Reportern im Weissen Haus bekannt, und doch herrschte Stillschweigen darüber. Erst bei Bill Clinton, kaum weniger ein womanizer als Kennedy („No, I did not have sexual relations with that woman, Ms. Lewinsky!“) änderte sich die Haltung. Ihm wurde jeder angebliche oder echte Seitensprung auf Titelseiten vorgehalten und in alle Einzelheiten zerlegt. George Bush hatte nach dem Anschlag von 9/11 die Medien auf seiner Seite, fütterte sogar die „New York Times“ mit erfundenen Stories über Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen.

An Donald Trump, nach Ronald Reagan der zweite „Teflon“- Präsident, blieb nichts haften. Er konnte übertreiben, lügen, zugeben, dass er Frauen „zwischen die Beine“ gegriffen hatte, dem Wahlvolk war das egal. Nicht so den Medien: Seinen Wahlsieg im November 2016 quittierte das Wochenmagazin „New York“ mit der dicken roten Überschrift: LOSER (Verlierer), darunter war ein Trump mit abstoßender Grimasse zu sehen. Nicht viel mehr Glück hatte der President-elect mit der Konkurrenz-Zeitschrift „The New Yorker“. Dort warf ihm Chefredakteur David Remnick vor, eine „Tragödie für die amerikanische Republik, eine Tragödie für die Verfassung und ein Triumph für jene Kräfte zu sein, die ein autoritäres Regierungssystem, Frauenfeindlichkeit und Rassismus auf ihre Fahnen heften.“ Das waren harte Worte, noch bevor Trump auch nur einen Schritt ins Weisse Haus gesetzt hatte. Allerdings hatte er schon im Wahlkampf deutlich gemacht, was er von Journalisten hält: bestes Beispiel war, wie er einen Reporter der „New York Times“ nachäffte, weil dieser wegen einer chronischen Krankheit seine Armbewegungen nicht unter Kontrolle hatte. Dann ging es Schlag auf Schlag: seine Amtseinführung, so brüstete er sich, sei von „den meisten Menschen jemals“ beklatscht worden (was die Medien mit Bildern von Obamas Inauguration sofort genüßlich korrigierten). Bald danach erklärte er die meisten traditionellen US-Publikationen zu „Feinden des amerikanischen Volkes“, was sie veröffentlichten, waren samt und sonders „Fake News“.

Ausgenommen war „Fox-News“ vom US-australischen Medienmogul Rupert Murdoch, dessen Kommentatoren ihm fast bis zuletzt treu die Stange hielten. Als er einmal gefragt wurde, warum er die Presse attackiere, fand er eine einleuchtende Antwort: „Ich mache das, um euch zu diskreditieren, um euch runter zu machen. Wenn ihr etwas Negatives über mich schreibt, wird euch das niemand glauben.“ Und das Ziel erreichte er tatsächlich: 75 Millionen Amerikaner unterstützten ihn bei der Wahl am 3. November. Fake news or not.

Bedenklich ist freilich, dass viele gesellschaftspolitische Strömungen mit einiger Verzögerung von den USA nach Europa schwappen. Derzeit ist dieser Vertrauensverlust in traditionelle Medien bei uns eine Minderheiten-Ansicht. Wie lange noch?

 

Neu im Buchhandel: „Bleib schön sitzen!“ (Wieser Verlag)

Was haben Friedensreich Hundertwasser, Cy Twombly, Gerd Bacher, The Pink Floyd, Kurt Waldheim, Bruno Kreisky und Ted Koppel gemeinsam? Sie alle und noch viel mehr spielen eine prominente Rolle in diesem Buch, in dem der Autor die „ersten siebzig Jahre“ seine Lebens Revue passieren lässt. Doch auch viele der Allgemeinheit Unbekannte prägten vor allem die Kinder- und Jugendjahre Eugen Freunds: die fleissige, aber strenge Schulwartin, der oft betrunkene Gemeindearbeiter, viele Patienten, die sein Vater, der Landarzt, versorgte, einzelne Sommergäste am Klopeiner See.  Und auch Fahrzeuge kommen nicht zu kurz in erster Linie ein Chevrolet Impala Super Sport Convertible, Baujahr 1967, der den Teenager zum „King of Klopeiner See“ machte.

 

 

Aufgewachsen am Klopeiner See in den 1950er und 1960er Jahren, war Eugen Freund später ein Vierteljahrhundert lang eines der bekanntesten TV-Gesichter des Landes. Der Autor erinnert sich an seine Kindheit und Jugendjahre am Land,  wo Hühner mit abgeschnittenen Kopf noch eine letzte Runde machten und wo er als Vierjähriger eine unvergessliche Begegnung mit dem Maler Hundertwasser hatte.  Sein Vater, der Landarzt, besuchte mit Prinzessin Marie Cecile von Preußen eine Disco, bei winterlichen Visiten ließ er seinen Sohn frierend im Auto zurück…Schon als 20-jähriger korrespondierte Eugen Freund mit Gerd Bacher, 1972 schrieb er dem Unterrichtsminister, er solle sich mehr um die Schulen und weniger um Karl Schranz sorgen.

Freund beschreibt auch jene Aspekte seiner Familie, über die nie gesprochen wurde: sein jüdischer Großvater, der sieben Jahre als U-Boot überlebte. Der andere deutsche Großvater unterstützte die Nazis, seine Tochter begegnet am Ende des 2. Weltkriegs in Wien einen Medizinstudenten, dem als „Mischling die Bestallung zum Arzt“ verwehrt wird. Sie gründen eine Familie und ziehen nach St. Kanzian in Kärnten. Eugen Freunds Erinnerungen schließen auch die Höhepunkte seines beruflichen Werdegangs mit ein: vom „Kärntner Ortstafelkrieg“ 1972 bis zum echten Krieg im ehemaligen Jugoslawien, vom Fall der Berliner Mauer bis zu seinen mehrjährigen Aufenthalten in den USA.  Eine historische Zeitreise mit vielen überraschenden Erkenntnissen.   

 

 

Der Wiener Großvater (li) mit Sohn Edmund in Wehrmachtsuniform

Die Abmontage der zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten 1972 

Die Berliner Mauer öffnet sich im November 1989

Der „Chevrolet Impala“ machte mich zum „King of Klopeiner See“

Dan Rather, damals Moderator der CBS-Evening News, nach dem Interview 

Meine Mutter beim verhassten Bergsteigen (ca. 1938)

Mein deutscher Großvater (88) blickt auf die Wolkenkratzer in New York

20 Jahre nach „9/11“

Meine erste Begegnung mit den Türmen des World Trade Centers geht auf den September 1978 zurück. Es war gleichzeitig meine erste Begegnung mit New York, mit den Schluchten, dem großen, rechteckigen Park im Herzen der Stadt, mit den ungewöhnlichen Verhaltensweisen der Menschen.

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Wie ich die Mondlandung erlebte

Mein Großvater und ich*

Das Blatt ist vergilbt, am Rand etwas ausgefranst, das Foto zeigt auch, dass man damals von hochauflösender Wiedergabe noch weit entfernt war. Kein Wunder, das ganze liegt genau 50 Jahre zurück, Zeitungspapier war damals noch ein Billigprodukt.

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Vielen Dank!

 

Im September 2014 habe ich begonnen, regelmäßig über meine Arbeit im Europaparlament oder darüber zu berichten, was mir gerade wichtig erschien. Knapp 200 mal später ist das jetzt mein Abschluss-Bericht. Ich danke allen, die mir dabei gefolgt sind!

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Copyright © 2019 Eugen Freund.